Immer mit Erlösung (April 2001)

Sechs Jahre lang wird das Kleinwalsertaler und Allgäuer Kulturleben nun schon durch den "Walser Gospelchor" bereichert. Doch noch bleibt für Chorleiter Michael Hanel ein Wunsch unerfüllt: "Mit mehr Männerstimmen auch katholische Messen im Kleinwalsertal zu gestalten". Ostergottesdienste würden sich dafür zum Beispiele anbieten, denn in den Gospels seien "Erlösungs- und Auferstehungsgedanken" stets präsent.
In den ersten Jahren wurden die Sängerinnen und Sänger des Walser Gospelchors von Ulrike Riezler betreut, seit zwei Jahren gibt der Immenstädter Michael Hanel den Ton an. Hanel studiert Musikpädagogik an der Universität Augsburg. Gesang, Orgel, Klavier sowie Orchester- und Chorleitung stehen auf seinem Studienplan. Über seien Gesangsunterricht bei Ulrike Riezler wurde Hanel Sänger im Gospelchor, ehe er das Ensemble im Jänner 1999 übernahm.
Der quirlige Musikus ist Chef eines jungen Teams, dessen Mitglieder zwischen 20 und 50 Jahren alt sind. Derzeit bilden 35 Gesangsfreunde das stimmliche Gerüst des Chores. Erst kürzlich kamen nach einer offenen Probe fünf neue Stimmen dazu. Neun von zehn Chormitgliedern sind aus dem Kleinwalsertal, die restlichen Stimmen kommen aus dem benachbarten Allgäu. "Aber", so Michael Hanel, "nur zehn Prozent unserer Auftritte finden im Kleinwalsertal statt."
Diese "mangelnde Präsenz" sei eine folge von "Auffassungsunterschieden mit den katholischen Pfarrherren". Bisher sei es jedenfalls nicht gelungen, so Hanel, einen Weg zur Gestaltung einer Eucharistiefeier in einer der drei katholischen Kirchen des Tales zu finden. "Das ist für uns ein großer Wermutstropfen", hofft der Chorleiter aber weiterhin auf die Bereitschaft der Priester, dies zu ermöglichen. Wie es etwa deren Kollegen im Oberallgäu tun. Einer der Hauptgründe für die ablehnende Haltung der Walser Pfarrer liege in den englischen Liedtexten. Befürchtungen, wonach diese von den Gottesdienstbesuchern nicht verstanden würden, will Hanel nicht gelten lassen. Solche Probleme könnten durch aufgelegte Texte in deutscher Sprache ausgeräumt werden.

Die Freude am Glauben

"Gospelmusik gehört in die Kirche", verweist der Allgäuer auf die Ursprünge der Gattung. Es handle sich um eine "diesseitsorientierte" Gesangsrichtung, die "spritzig, rhythmisch und impulsiv die Freude am Glauben verkündet". Die viel früher entstandenen Spirituals aus der Zeit der Sklaverei seien hingegen "jenseitsorientiert" immer mit dem Blick auf das "Elend des Seins". Aber gerade die Spirituals sind es, mit denen sich etwa der Riezler Pfarrer Konrad Natter für eine Gottesdienstgestaltung nicht so recht anfreunden kann: "Die Ursprünge dieser Lieder haben nichts mit der Kirche zu tun." Und: "Bestimmte Teile der Liturgie sind der Volkesstimme vorenthalten. Aber unser Kirchenchor singt die entsprechenden Lieder nicht, sondern die Gottesdienstbesucher." Gospelchorleiter Michael Hanel ist überzeugt, dass "auch die österliche Zeit dem Liedrepertoire des Chores entsprechen würde": "Vor allem Gospels haben immer mit der Auferstehung und Erlösung zu tun." Und auch in katholische Gotteshäuser würde die Stilrichtung passen. Hanel: "Wir sind bestrebt, die Gospel- und Spiritualmusik so lebendig zu interpretieren, wie dies in den Kirchen der schwarzen Bevölkerung Amerikas der Fall ist." "Dabei kling ein und der selbe Titel bei jedem unserer Konzerte anders", haben auch Maxi Oeing und Elian Fritz Gefallen am Chorleben.

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